Trauerrede für Prof. Klaus Bushoff
von Prof. Götz Gruner
in der Lukaskirche Stuttgart, 3.7.2026
Klaus Bushoff – wir alle wollen uns erinnern an ihn – seine früheren Studierenden, die Kunstschaffenden und Kunstfreunde der Galerie InterArt, viele Menschen, die ihn und seine ruppige Offenheit schätzten.
Klaus Bushoff war zugleich Künstler und Pädagoge, enfant terrible und bürgerlicher Hausbesitzer, getriebener Macher und intellektueller Romanist, Sammler und strukturierter Beobachter, Freigeist und Liebender.
Klaus Bushoff war an der Hochschule der Unruhegeist – er provozierte und verunsicherte, er forderte uns heraus, er stachelte uns an, er infizierte uns mit Freiheitsdrang und der Sehnsucht nach kreativem Ausdruck, er nahm andere Perspektiven ein und wir konnten unseren Horizont erweitern, wir lernten durch ihn, offen zu werden und genau hinzusehen, zuzuhören und mitzureden.
Er setzte seine Visionen um und eröffnete die Studiengalerie in der Hochschule. Dabei begeisterte er uns dafür, bei den thematischen Ausstellungen mitzuwirken und unsere Arbeiten zu präsentieren oder bei Performances mitzuwirken.
Klaus Bushoff war die Initialzündung für uns, die wir häufig direkt von der Schule an die Hochschule kamen.
Die Vorlesung „Kunst nach ´45“ war unsere Inspiration. Klaus Bushoff hat uns über sechs Semester mit zahlreichen Bildbeispielen und einem detaillierten Tafelanschrieb die zeitgenössische Kunst erklärt.
Das Zeichnen war aus seiner Sicht die Grundlage allen bildnerischen Schaffens und er organisierte deshalb jeden Mittwoch Abend Aktzeichnen. Innovativ war, dass er Film und Performance in die praktische Lehre einbezog. Wir drehten mit ihm ungewöhnliche bildnerische Super 8-Filme.
Am Donnerstag Abend ging es zu Atelierbesuchen bei Künstlern der Region. Mit Bushoffs Künstler-Kollegen lernten wir, über Kunst zu sprechen und uns auszutauschen.
Ein Highlight war die Studienfahrt nach Fehmarn ins Reet gedeckte Haus von Klaus Bushoffs Bruder.
Klaus Bushoff lud uns zu Soireen in sein Haus ein und war bereit, uns für den Dreh eines Spielfilms mehrere Tage lang sein Haus zur Verfügung zu stellen – klaglos ertrug er das Chaos. Sein Haus mit den vielen anregenden Sammlungen empfanden wir als Gesamtkunstwerk.
Vorbild für uns war auch sein Werk. In ihm lebte er uns den Mut zum Subjektivismus vor. Seine Methode war der von ihm so genannte Allusive Realismus, also das Umspielen der „eigentlich gekonnten“ Naturwiedergabe, die dekonstruierte Gestalt und der Torso und die ganz persönliche Abstrahierung.
Sein handschriftliches Tun zeigte sich in skriptural-deformierter Figuration und robust heruntergeschriebenen Textbildern und Collagen. Überhaupt propagierte er das Enjambement, die Verknüpfung von Text und Bild als einerseits lesbares und andererseits erlebbares Bild.
Dazu kam sein Interesse für Materialität und das physische Ding an sich. Aus Fundstücken und Abfällen baute er seine Figuren und Skulpturen zusammen.
Thematisch zeigte er Besessenheit, denn er entschied sich für ein Lebensthema, nämlich den weiblichen Akt.
Seit dem Jahr 2004 bis letztes Jahr war er 2. Vorstand bei InterArt, der Union freischaffender Künstler und führte die erfolgreiche Arbeit von Edgar Kuczera fort. Über zwanzig Jahre lang engagierte er sich dort als zentrale künstlerische Persönlichkeit. Er war Kurator von Gruppenausstellungen, Kunstvermittler, Eröffnungsredner, Archivar, Organisator von Veranstaltungen, Auktionator, Gestalter von Katalogen.
Seit diesem Frühjahr bereitete er zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Christina Knauer, Christine Reinsch-Müller, Peter Rum und mir, Götz Gruner, das fünfzigjährige Jubiläum der Galerie mit der Gruppenausstellung „Selbstbildnisse“ vor. Schon im Mai collagierte er dafür ein Bilderbuch mit Fotos und Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten InterArt. Er hat es drucken lassen und so hat ER dafür gesorgt, dass die Erinnerungen an 50 Jahre nicht verloren gehen. Wie traurig, dass wir am 11. September ohne ihn feiern müssen.
Wir vermissen Klaus Bushoff, den Künstler, den Intellektuellen, den Professor, den Galeristen, den Vater zweier Söhne und den Mentor hunderter Studierender, den Denker und den Macher bis zum Schluss.
Am Tag vor seinem Tod besuchte ich ihn. Sein Bett stand im Wohnzimmer, umgeben von seinen Bildern, im Arbeitszimmer nebenan seine Texte und Kataloge. Er deutete nach unten zu ganz kleinen Exponaten in einem Eck und flüsterte: „Hier, die Ex Libris – nicht vergessen!“
Dann streichelte er mit der Hand die runde Holzstange seines Krankenbettes. Ich sagte: „Ich weiß von Nikolaus, dass sie dich stört.“ „Nein, sie stört mich nicht“, antwortete er mit schwacher Stimme und fuhr fort mit einem verschmitzten Lächeln „sie ist eine Frau!“
Klaus Bushoff – nicht nur die Frauen liebten Dich!
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