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Reinhard Brunner – „Bewegungsmuster”

In der Ausstellung Bewegungsmuster präsentiert Reinhard Brunner eine Serie abstrakter Zeichnungen und Malereien, die von rhythmisch‑schwingenden, schraffierten Flächen Kompositionen geprägt sind. Die unterschiedlich feingliedrig gestrichelten Anordnungen verdichten sich zu malerischen Flächen und erzeugen ein sinnlich‑kinetisches Bildgefüge.

Technisch setzt Brunner auf unkonventionelle Eingriffe: In der Malerei trägt er flüssige Acrylfarbe mit Spritzen auf, ohne direkten Kontakt zur Bildoberfläche; in den Zeichnungen bearbeitet er die Rückseiten so, dass Marker nach vorne durchschlagen; bei den Spray‑Collagen nutzt er Papier- Risstechniken. Diese Verfahren koppeln die direkte, gestische Spur der Hand an physikalische Prozesse der Materialien und schaffen so eine neue Form unmittelbaren Ausdrucks. Bei den Spritzenarbeiten bestimmen Abstand zur Fläche, Haltungswinkel, Bewegungsgeschwindigkeit und Druck die Bildgestaltung — die Spritze wird dabei zu einem ebenso differenzierten Ausdrucksmittel wie Pinsel oder Stift. 

Die teils plastische Erscheinung der Schraffuren wird zusätzlich durch die Wechselwirkung von Licht, Oberflächenstruktur und Farbauftrag verstärkt. Glänzende oder matte Farboberflächen, die Kante eines Papierrisses, die sichtbare Körnung des Bildträgers — all das moduliert die räumliche Lesbarkeit von Linienfeldern und lässt das Bild im differenzierten Lichteindruck zu einem räumlichen Gebilde werden. 

Der „eigentliche Bildraum“ in Brunners Arbeiten ist kein abbildlicher Raum, sondern eine Topologie von Gesten und Materialzuständen. Jede Schraffur dokumentiert eine Handlungsschicht; jede Überlagerung ist Zeit in einer visuellen Chronologie. Die Tiefenwirkung entsteht nicht primär durch perspektivische Täuschung, sondern durch die sequenzielle Anordnung von Markerstrichen, Farbschichten und strukturellen Unterbrechungen. So wird das Bild zu einem Archiv von Ereignissen: Vorder‑ und Rücklagen, Durchlässigkeit und Verdichtung, offene Felder und kompakte Zonen strukturieren eine interne Raumhierarchie, die der Betrachter entdecken kann. 

Obwohl der Bildraum in sich eigenständige Gesetze besitzt, bleibt die Beziehung zwischen Bild und Betrachter bedeutsam. Die intern erzeugten Tiefen- und Volumeneffekte reagieren auf Distanz, Blickwinkel und Bewegungsrhythmus des Betrachtenden: Aus nächster Nähe offenbaren sich mikrostrukturen, Materialspuren und Übermalungen; aus der Distanz fügen sich diese Einzelelemente zu großflächigen Volumen. Diese doppelte Lesbarkeit — Mikromorphologie und makrokompositorische Gestalt — erhält die Bilder als Orte des Sehens, die den Raum der Galerie miteinbeziehen, ohne von ihm abhängig zu sein. 

Inhaltlich widmet sich Brunner dem Phänomen der Bewegung: Über wiederholte, präzise ausgeführte Gesten legt er übereinanderliegende Farbflächensetzungen an, deren Entstehung wie ihr Ergebnis von Bewegung geprägt sind. Lässt sich Bewegung als Transformation verstehen, erscheinen diese Arbeiten als Ringen um beständige Veränderung — ein Bild, das auf gesellschaftliche, wissenschaftliche, digitale und ökologische Transformationsdynamiken verweist. 

Stilistisch bewegt sich Brunner zwischen abstraktem Expressionismus und geordnetem Informell. Mit seinen technisch transformierten Spritzenbildern entwickelt er eine eigene Lesart eines „Neo‑Informell“ und eine eigenständige abstrakte Bildsprache. Kunsthistorische Verweise führen zu den radikalabstrakten Positionen der amerikanischen Moderne der 1950er Jahre (Francis, Pollock, Kline, Twombly) ebenso wie zu europäischen Informell‑Vertretern (u. a. Gierke, Götz, Sonderborg, Trier). 

Impressionen der Ausstellung

Ausstellungsdauer vom 06.03.2026 – 11.04.2026

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Kommentare: 1
  • #1

    Heike Walter BLICKART Horb (Samstag, 28 März 2026 10:55)

    Wunderbare Inspiration.