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Gert Fabritius „Tagebuch- und Blatt-Aufzeichnungen eines Unbefugten“

Markant und klar: Der Künstler Gert Fabritius

C‘est l‘art
C‘est l‘art

C'est l'art

„Ein Wanderer hat immer die Heimat bei sich!“ Und ein Wanderer ist Gert Fabritius. Seine Heimat ist entweder „transportabel“ – oder gar nicht! 

 

1940 in Bukarest geboren, in Mühlbach aufgewachsen und 1957 nach Klausenburg verschlagen, ist bereits seine Kindheit und Jugend bewegt. Im Gymnasium und auf der Kunstakademie „Ion Andreescu“ in Klausenburg werden ihm „großartige Seherlebnisse“ zuteil, die er in Zeichnungen und Holzschnitten künstlerisch verarbeitet. Den Roman Die Brücke über die Drina von Ivo Andrić illustriert er in vier Holzschnitten – und legt diese als Diplomarbeit vor. Brisanz und Relevanz des Themas beeindrucken seine Professoren – die Arbeit wird angenommen. Beachtung finden auch seine Illustrationen für die Tribuna. In der rumänischen Wochenzeitung erscheinen erstmals Texte von Franz Kafka mit Radierungen von Fabritius. Die Öffentlichkeit ist von seinen Zeichnungen und Holzschnitten überzeugt. Das ändert sich auch in Bukarest nicht, wo er ab Herbst 1967 für die deutsche Tageszeitung Neuer Weg und den deutschen Kriterion Verlag tätig ist. Als Buchillustrator stößt er hier allerdings zum ersten Mal auf Ablehnung. Die Gründe sind absurd, die Zustände im sozialistischen Rumänien kafkaesk. Und es wird sich bis zu seiner Ausreise nach Deutschland nicht ändern: Die Außenwelt wird immer fremder, die Kollektivparanoia immer unerträglicher. Kunstprojekte scheitern – Fabritius’ Werke werden aus Ausstellungen entfernt, Einzelausstellungen und Poesieclubs boykottiert. 

 

Sein Name wird in Neuauflagen von Büchern, die er illustriert hat, gestrichen. 

Die Entscheidung, nach Deutschland auszureisen, fällt 1977. Fabritius’ letztes Bukarester Projekt ist die Illustration der Buches Die Mausefalle von Christian Morgenstern. Morgensterns Satz „Froh genießt das Tier der neuen Heimat, ohne sie zu scheuen“ leitet über in die nächste Lebensphase. Als freischaffender Künstler in den Bereichen Holzschnitt, Zeichnung, Malerei und Installation kann er seine Werke im In- und Ausland ausstellen (Regensburg, Leipzig, Darmstadt, Köln, Stuttgart, Göteborg, Valparaiso, Marburg, München, Cleveland, Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt a. M., Wittenberg u. a.). Sie bereichern viele Sammlungen (Deutsches Historisches Museum Berlin, Villa Merkel Esslingen, Kunsthalle Hamburg; Sammlung Daimler Benz AG in Stuttgart, Kunstmuseum Tampere/Finnland, Kunstmuseum Bukarest/Rumänien, Kunstmuseum Königsberg/ Kaliningrad, Russland, Städtische Sammlung Velenje/Slowenien, Gerhard-Walz-Stiftung Budapest/ Ungarn, Sammlung Gilkey, Portland Art Museum/ Oregon, USA). 1997 wird Gert Fabritius mit dem Sonderpreis zum Lovis Corinth-Preis 1997 und 2012 mit Siebenbürgischer Kulturpreis geehrt. 

Gert Fabritius – der Wanderer, wohin kehrt er immer wieder zurück? Zur Linie. Markant und klar. 

 

© Ingeborg Szöllösi 

(aus der Zeitschrift „Spiegelungen“, Heft 2/2018) 


Vernissage 

Donnerstag, 23.01.2020, 20 Uhr 

 

Begrüßung 

Christina Knauer, Erste Vorsitzende 

 

Austellungsdauer 

Fr 24.01.2020 – So 23.02.2020

Einführung 

Dr. Ingeborg Szöllösi 

Südosteuropa-Referentin im Deutschen Kulturforum östliches Europa