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  • Erwachsene         50,- €
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  • Familien              60,- €
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Herzliche Einladung zur Gruppenausstellung der Künstlermitglieder und Gastkünstler der
Galerie InterArt

FIGURINEN aus dem Straßentheater der Flaniermeile

Vernissage Freitag, 15. März 2019, 20 Uhr

Begrüßung Christina Knauer, 1. Vorsitzende

Einführung Prof. Klaus Bushoff, 2. Vorsitzender

„Na, ja – die dramaturgisch kunstvoll hergerichteten FIGURINEN von Schauspielern und Sängern der Lebensoper faszinieren mehr als die FIGUREN am trivialen FKK-Strand des naturbelassenen Lebens.“

 


Wir freuen uns über Ihren Besuch!

 

BOHLWEG
Die Straße als Holzweg

Wenn die Bretter die Welt bedeuten – also die Bretter der Bühne, die Bretter vor dem Kopf der Belehrer, die Regalbretter der Bücherfreunde, die Bretterl der Verstandes-Skiläufer – wenn die hölzernen Planken des Narrenschiffs „Leben“ die Welt bedeuten – ja, welche überzeitliche, allgemeine Reaktion auf die Tischlerarbeit des göttlichen Dramaturgen kann festgestellt werden, wenn sich der Vorhang nach dem letzten Akt allmählich senkt? Applaus, starker Applaus, frenetischer gar, der sehr bald in tobendes Gelächter, in zynisches Hundegeheul, in post-pubertäres Gekicher übergeht – wenn alle Lichter erloschen sind, wittert der Rezensent atmungsphärisch ein verunsichertes Lächeln im Dunkel des Theaterraumes. K.B.

FIGURINEN

 - Ich, Johann Wohlfang von Hanebüchen, freigestellter Mitarbeiter am LEBENSTHEATER e.V., habe als Flaneur in der Spaßmeile des Stadttheaters ZWEITE WIRKLICHKEIT nur zwei von den vielen Freizeitfigurinen auf einem Selfie festgehalten. - Ich hatte im Weltliteraturladen kräftig eingekauft. Schwer bepackt mit Unwörtern und Bildungsware (SALE %) habe ich mir in der Promi-Loge der gutbesuchten Theaterkantine eine Ruhepause gegönnt – zusammen mit der geliebten Panatella, der Brünetten mit Migrationshintergrund, die zwischen meinen Fingern erglühte. Jedoch und aber: weil ich als faszinierter Glotzer und visueller Grabscher nicht von den vorübertänzelnden, frei-beruflichen Schau-Spielerinnen lassen wollt – erkaltete sie und schloss sich dem Abfall der Gesellschaft an. - Einsam und verlassen kehrte ich in mein eigenes, alternatives Opernhaus zurück. Ich malte ein Bildle nach der Handy-Aufzeichnung und philosophierte bei einem Glas Hengstenberg-Spätlese über die Eigentlichkeit und Zeitgeistlichkeit des theatralischen Lebens auf der Straße. - Anhand meiner Einkäufe stieß ich auf das LACHEN in seiner ganzen Bandbreite zwischen Genuss- und Verstandessteuerung, zwischen Grölen und Lächeln. Die vitalen und/oder gutguten Inszenierungen im Innen und Außen des Lebenstheaters verdienen diesen finalen Applaus des Lachens nach dem letzten Akt der gelungenen Aufführungen im Staatstheater Babylon oder auf der Freilichtbühne der naturbelassenen Wanderregion am Genfer See. - Die feuchten Augen und Lippen der Theaterfigurinen und der Theaterabonnenten erklären sich nicht aus den Tintenspritzern aus den Füllhaltern der Dichter, Denker, Dramaturgen, Inszenierern, Volksvertreter – schon gar nicht als Imitation des göttlichen Gelächters über die komisch missratenen Adamiten – nein, nein und NEIN: das Lachen über alles, „über alles in der Welt“ ist das initiale und finale Grund-GEN des Menschen, ist seine Natur, ist seine Schöpfung. Le rire est le propre de l’homme, – das Lachen ist dem Menschen eigen. - Anhand einer Zweitbefragung meiner handy-Aufzeichnung erfuhr ich etwas über die lachenden Personen rechts und links von mir. Geschüttelt vor Lachen haben sie sich wirr als Marc Rabelais und Francois Aurel vorgestellt, bevor sie ihre Ausweise in der Gegenwartszene herumschwenkend wieder an sich nahmen. Der eine war ein Mönch von Telème, der pantagruelistisch lebte, der andere war ein römischer Kaiser, der in Wien selbstbetrachtend den Gutmenschen erfunden hatte als Friedenskämpfer gegen die Markomannen. Ich bedauerte sehr, dass ich beide in der Meute der Figurinen hatte abtauchen lassen. – Im folgenden Zitatengemenge wird versucht ihr selbstdarstellerisches LACHEN zu differenzieren. Amis lecteurs! Mieux est de ris que de larmes écrire parce que le rire est le propre de l’homme. Marc Rabelais Durchlebe diesen Wimpernschlag von Zeit ganz der Natur gemäß und scheide dann heiter von hinnen.  François Aurel

Pantagruelistisches
LACHEN
(Figurine I)

Er pisste auf seine Schuhe, er kackte in sein langes Hemd, er rotzte in die Ärmel, er kotzte in die Suppe und lief überall herum; er soff aus seinen Pantoffeln, er kratzte sich am Bauch mit einem Meterstab… er setzte sich zwischen zwei Stühle, den Arsch am Boden… er schlürfte beim Kauen die Suppe, er mampfte beim Lachen und lachte beim Mampfen – oft kotzte er in die Spüle… er pinkelte gegen die Sonne, versteckte sich im Teich vor dem Regen… er prügelte aus dem Nichts, hatte wirre Gedanken und spielte den Süßen. Er spannte den Karren vor den Zugochsen… er fraß Kohl und schiss Purree… er betete das Paternoster der Affen, er opferte den Göttern Stroh.

Aurelistisches
LÄCHELN
(Figurine II)

Die Kunst zu leben hat mehr Ähnlichkeit mit der Fecht- als mit der Tanzkunst… so wird auch der natürliche Rachen wilder Tiere mit nicht geringerem Vergnügen betrachtet, als wenn ihn Maler und Bildhauer in künstlerischer Nachbildung vorführen… denn dies bringt uns die Heiterkeit… die aus dem Wenigtun entspringt… es steht dir doch frei dich zu jeder beliebigen Stunde auf dich selbst zurückzuziehen… der macht kein Theater… reihst du dergestalt Gutes an Gutes – was anderes ist dann die Folge als froher Lebensgenuss… die Menschen sind füreinander geboren… Ich lernte, mich des Tadels oder sonstiger verletzender Vorwürfe gegenüber Leuten, die eine fremdartige, sprachwidrige oder übelklingende Redewendung gebrauchten, zu enthalten… auch wenn mein Lehrer scherzte, behielt er den Anstand… das gleicht einem Schauspieler, der nach der Aufführung von dem entlassen wird, der ihn eingestellt hat; (Natur, Gott; Anm. d. Hg.) – so scheide denn heiter von hinnen… auch frühere Theaterstücke waren wie die heutigen, nur wurden sie von anderen Personen gespielt.

APPENDIX
Nachrichten aus der Rosenstraße 37
aufgeschnappt und ins Verständliche transkribiert von Attila Schmelzle

A: … Nun aber zu eurer FIGURINEN-Einladung: Da habt Ihr es ja richtig krachen lassen...! Nix für Dünnhäuter.... Man sollte dazu Schlachtplatte servieren – als Alternative zum Hefezopf. Was meint ihr? Nur Wohlfühlen war gestern, das fortgeschrittene Leben hat weit mehr auf Lager... Solche Gedanken hatt ich beim Lesen der Texte nach Mitternacht. Nix für ungut. B (klugscheißerisch): Mir scheint, dein kritischer Ton soll unser Augenmerk auf die Empfindlichkeit der Dünnhäuter richten. Deine Stellungnahme für die besonders leicht Verletzlichen und Schwachen unter der Leserschaft ist durchaus ehrenwert. Doch ich hör darin auch die implizite Aufforderung, Texte dezenter und rücksichtsvoller zu formulieren. Erlaub mir deshalb etwas zur Klärung des Sachverhalts beizutragen. Zunächst stammen – bis auf die angeführten Zitate – alle Texte von Johann Wohlfang von Hanebüchen. Er ist ein Kenner sowohl der Kunst- als auch der Literaturgeschichte, vor allem der französischen. Francois Rabelais, der Schöpfer der Romanfiguren Gargantua und Pantagruel, hat es mit diesen beiden grotesk-vulgären Figuren sogar in die Weltliteratur geschafft. Diesen Erfolg verdankte er der Art, mit der er – hier, ich geb’s dir schriftlich (liest vor): „auf der Stilebene spielerische Ironie und Sarkasmus, derben Witz und pedantische Gelehrtheit, Wortspiele und komisch verwendete echte und fiktive Zitate vermischt". Hab ich – nebenbei – vom Bestseller-Autor Wikipedia. A: Aber – B: Lass mich bitte fortfahren. Also: Von Hanebüchens Text parodiert diesen Stil des Schriftstellers Rabelais gekonnt, wobei er bei seiner Wortwahl weitaus zurückhaltender ist als sein Vorgänger. Dieselbe Technik der parodistischen Nachahmung trifft zu auf Hanebüchens Umgang mit Marc Aurel, einem römischen Caesar. Nach dem Verfassen eines literarischen Werks mit dem Titel Selbstbetrachtungen wurde dieser Marc Aurel der Welt schon bald als "Philosophenkaiser" bekannt. Seine Selbstbetrachtungen werden zur Weltliteratur gezählt. Von Hanebüchen sieht in diesem Autor vor allem den Vorläufer des heutigen Gutmenschen, dessen Eigenschaften und Eigenheiten sich oft genug mit denen der von dir genannten sensiblen Dünnhäuter decken. Hanebüchens gekonntes Pendeln zwischen den extremen Polen der Rabelais'schen Figuren und der Selbsterkenntnisse eines römischen Regenten wird nicht nur dem Kenner und intellektuellen Gratwanderer Vergnügen bereiten, auch Menschen mit mehr Herzens- als Geistesbildung könnten davon profitieren und darüber hinaus zum Nach- und Weiterdenken angeregt werden, wobei genaues Lesen und weiterführende Lektüre einen didaktischen Mehrwert mit sich brächten. Kurz: Für mich hat Klaus Bushoff als Schöpfer der Erzählerfigur Von Hanebüchen einmal mehr seine Kompetenz als kenntnisreicher Verfasser literarisch-essayistischer Texte bewiesen. Mein Beitrag zum 3-seitigen Faltblatt ist ebenfalls dreifach zu sehen: als Abtipper der Textvorlage, als Layouter und als Bildermacher. Nix 4 ungut. A: Danke für deine umsichtige Ausführung. Dazu nur noch so viel: Ich wollt gar nicht ablehnend kritisch klingen, ich bin eher schaurig amüsiert... Ich find‘s auch gar nicht schlecht und eher spannend, das Publikum etwas zu provozieren... . Das könnten wir in der Galerie schon beibehalten und kultivieren. B: Gebongt. – Wollten wir nicht noch über versicherungsrechtliche Dingsbums reden?