Sie und Ihre Freunde sind herzlich
eingeladen zur Ausstellung von
Charly Camu
„Fallensteller im Verquer“
Druckgrafik, Malerei, Zeichnungen

Vernissage
Freitag, 5. Oktober, 20 Uhr

Begrüßung
Christina Knauer, 1. Vorsitzende
Einführung
Prof. Klaus Bushoff

Ausstellungsdauer
Sa 6.10. – 3.11.2018
Öffnungszeiten
Mi, Do, Fr 16 – 19 Uhr
Sa 12 – 18 Uhr

Camu-Camu ist eine Lutschtablette mit einem Vitamingehalt von sechs
Zitronen, Camu ist eine Cognac-Marke, Camus schrieb L`étranger, camus
heißt plattnasig und im übertragenen Sinne verdutzt; eine Camouflage
ist eine Erinnerung an den Wehrdienst und die camoufle eine flackernde
Kerze; „La jalousie" ist nicht nur der Prototyp des raum- und zeitlosen
französischen nouveau roman, sondern auch ein Ausdruck für die eifersüchtige
Sicht durch einen Rollladen auf die Welt da draußen, zu der
man nicht gehört oder gehören mag.
Als Karl Mühlbacher sich ab 1965 den Abstand nehmenden Künstlernamen
CAMU zulegte, tauchte er willentlich ein in eine Wortschar
mit vieldeutigen Anspielungen auf mögliches Künstlerbewusstsein. Er
wehrte sich durch Mitsingen in absichtlich schräger Tonlage oder durch
störendes Saxophongetöse gegen alles, was nicht nur im Pariser Mai
um ihn herum gedacht, gesagt, getan wurde – und was ihn faszinierte in
jener Zeit und in der Region, in welcher er gerne daheim gewesen wäre.
Südwestdeutsch gesehen positionierte er sich zwischen die württembergische
Residenzstadt Ludwigsburg und die sich als schwäbisch camouflierende
Landeshauptstadt Stuttgart. Dort wurden seine Provokationen
– allerseits als „sanft“ beschrieben – ein Abwehrmechanismus, der ihn
schließlich in die Solitüde trieb. Wem „nichts wurst ist" – wer sich nicht
als Parteisoldat einer ausformulierten Ideologie, einer gesellschaftlichen
oder künstlerischen Eindeutigkeit/Einfältigkeit verschreiben will – wurde
schon immer als irrelevant entsorgt. Egal welches Lebenswerk er als
Künstler, Saxophonist, Galerist, Editeur, Lyriker oder Leserbriefschreiber
in seinem Atelier und Umfeld angehäuft hatte.
K.B.

Thematisch wendet sich C. Camu einem noch immer teiltabuisierten
Gebiet zu. Darüber ist er sich, wie es den Anschein hat, im Klaren, wann
immer er seine „Liebesspiele" ausbreitet, was dadurch indiziert wird,
dass er uns den Blick auf seine Spiele zum Teil verwehrt. Er lässt uns
durch Jalousien blicken. Das Schlüsselloch, hinter dem sich der Voyeur
allein und damit als Privilegierter fühlen könnte, wird zwar zum Fenster
erweitert, der Blick hindurch aber gestört. Die Pikanterie dieses Vorgehens
erkenne ich darin, dass die Jalousie nur dem oberflächlichen
Betrachter den Blick verwehrt, den aufmerksamen aber umso näher ins
Detail drängt. Man wird zu Detailbetrachtungen geradezu provokatorisch
verführt, zumindest aber dazu, ins Detail gehen zu wollen. Manipuliert
man die Camu‘sche Kunst sinnvoll, so gelingt das auch, denn die Fähigkeit
des menschlichen Auges zur Superisation kommt diesem Vorhaben
entgegen: Körperfragmente werden auf Grund unserer optischen (und
anderer Erfahrungen) zu intakten Konstellationen ergänzt; freilich behaftet
mit einem gewissen Maß an Multi-Interpretabilität.
Die Unbefangenheit mit der sich die Camu‘schen Figuren ihren Spielen
hingeben, entlarvt diese Spiele als alltägliche Selbstverständlichkeiten.
Neben all dem darf nicht übersehen werden, dass es Camu primär um
ein Spiel mit bildnerischen Mitteln geht. Etwa um die Erforschung (auch
das kann Spiel sein) von simulierten, der Reprotechnik abgesehenen
Rasterverfahren, die für die manuelle grafische Kunstproduktion ausgenutzt
werden sollen. Um den Sinn dieser Studien evident werden lassen
zu können, ist es geradezu gefordert, dass Camu seine Exerzitien am
figurativen, der erfahrbaren Welt entstammenden Sujet zu exemplifizieren
sucht. (ln diesem Bereich sind Ergebnisse kontrollierbar.) Explizite sei
gesagt, was bereits angedeutet wurde: Camu‘sche Grafik hat ihre Objekte
zwar in der erfahrbaren Welt, aber nur in erster Instanz. In zweiter
Instanz beziehen sich Camu‘sche Zeichen auf eine Welt, die bereits
ihrerseits eine Zeichenwelt ist, eine Welt zweiter Seinsordnung, die Welt
der Zeitungsclichés. Dort sind die Objekte der hier gemeinten Zeichen
angesiedelt, im Repertoire, aus dem Warhol und andere schöpfen.
Prof. Dr. Hans Brög


Vorschau auf kommende Veranstaltungen:

Auktion

So. 04.11.2018, 11 Uhr

 

Das Bob-Dylan-Projekt (Gruppenausstellung)

"It's alright, Ma, I'm only bleedin"

Sa. 10.11. - Sa. 07.12.2018

 

 

 


Bizarre Basare

Wechselnde themenbezogenen Werkgruppen aller künstlerischen Disziplinen

immer samstags 12 - 18 Uhr